Antifouling

Antifouling im Wassersport

Antifouling – Was ist das Beste für Mensch, Umwelt und Ihr Boot?

Der Schutz von Unterwasserflächen vor Bewuchs ist ein Thema mit hoher wirtschaftlicher und ökologischer Bedeutung. In der Regel erfolgt dieser Schutz durch die Anwendung von speziellen Beschichtungen– sogenannten Antifouling-Beschichtungen. Dabei wird zwischen biozidhaltigen und biozidfreien Antifouling-Beschichtungen unterschieden. Erste verhindern den Aufwuchs durch die enthaltenen, giftigen Biozide, zweite besitzen meist nicht-chemische Wirkprinzipien.

Was ist Fouling?

Boote, die im Wasser liegen, werden innerhalb kurzer Zeit mit Mikroorganismen besiedelt. Sie bilden einen Biofilm (Weichfouling), auf dem später Algen, Seepocken und Muscheln (Hartfouling) wachsen können. Insgesamt wird der Bewuchs als Fouling bezeichnet. Die gewässerchemischen und ökologischen Bedingungen, die einen Bewuchs begünstigen oder verlangsamen, werden als hoher beziehungsweise niedriger Bewuchsdruck bezeichnet. Ein hoher Bewuchsdruck bedeutet dabei gute Lebensbedingungen für Organismen und somit verstärktes „Fouling“. Oftmals ist der Bewuchsdruck im Süßwasser geringer als im Salzwasser.

Besonders im Bereich der kommerziellen Seeschifffahrt hat Fouling erhebliche ökonomische und ökologische Auswirkungen: Der Strömungswiderstand der Schiffe wird erheblich gesteigert, was zu einem erhöhten Kraftstoffverbrauch und somit Schadstoffausstoß führt. Zudem können anhaftende Organismen in Regionen verbreitet werden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen (Neobiota) und dort unter Umständen das ökologische Gleichgewicht stören.

Der Aspekt des erhöhten Strömungswiderstands ist im Sportbootbereich weniger relevant, jedoch kommen auch hier Antifouling-Beschichtungen zum Einsatz, um Bewuchs zu verhindern und Bootsrümpfe vor Beschädigung zu schützen.

Wie kann Fouling verhindert werden?

Zum Schutz vor Bewuchs werden die Bootsrümpfe üblicherweise mit Antifouling-Beschichtungen behandelt, die das Ansiedeln von Organismen verhindern sollen. Dabei wird zwischen biozidhaltigen und biozidfreien Antifouling-Beschichtungen unterschieden. Antifouling-Produkte wirken dabei auf zwei verschiedene Weisen: Entweder werden aufwachsende Orga-nismen durch Biozide abgetötet oder das Anhaften von Organismen wird durch spezielle Oberflächenbeschichtungen verhindert (bei biozidfreien Beschichtungen). Zudem gibt es andere, biozidfreie Maßnah-men und mechanische Reinigungs-Systeme, die nicht auf einer Beschichtung basieren, zum Beispiel Reinigungsroboter, Planen und Bootshebeanlagen.

Warum können biozidhaltige Antifouling-Produkte ein Problem für die Umwelt sein?

Die meisten Antifouling-Produkte enthalten Biozide, die sich nach und nach aus den Oberflächen herauslösen und damit die Ansiedlung von Organismen unterbinden. So gelangen die bioziden Wirkstoffe direkt in die umgebenden Gewässer. Die Biozide töten die Bewuchsorganismen ab oder schaden ihnen auf andere Weise. Neben diesen als Zielorganismen bezeichneten Lebewesen können dabei aber auch weitere im Gewässer lebende Organismen geschädigt werden. Neben der direkten Freisetzung im Gewässer können auch bei Anstrich- und Ausbesserungsarbeiten Bestandteile der Antifouling-Beschichtungen in die Umwelt gelangen, zum Beispiel durch abtropfende Farbe beim Anstreichen, durch herun-terfallende Farbpartikel beim Entfernen oder durch Abdrift beim Abschleifen oder Aufsprühen der Beschichtung.

Warum können biozidhaltige Antifouling-Produkte ein Problem für die menschliche Gesundheit sein?

Mit biozidhaltigen Antifouling-Produkten kommen Anwender zum Beispiel beim Streichen und Abschleifen von Booten in Kontakt. Hierbei besteht die Möglichkeit, dass beim Abschleifen die dabei entstehenden Stäube sowie die beim Aufbringen der Antifouling-Produkte entstehenden Dämpfe/Aerosole eingeatmet werden. Zusätzlich besteht beim Schleifen und Streichen die Möglichkeit, dass die Haut mit kontaminierten Stäuben, Spritzern und benutztem Arbeitsmaterial (zum Beispiel Schleifgeräte, Pinsel etc.) in Kontakt kommt (dermale Exposition). Ein indirekter Kontakt unbeteiligter Dritter ist durch Anwesenheit während der Bootsbehandlung durch Stäube oder Dämpfe/Aerosole, Freizeitaktivitäten auf Booten und in Gewässern oder auch durch Verzehr von aquatischen Organismen wie Fischen und Muscheln möglich.

Wie können Gesundheits- und Umweltrisiken durch biozidhaltige Antifouling-Produkte vermindert werden?

In den letzten Jahren und auch aktuell wurden und werden alternative, biozidfreie Antifouling-Beschichtungen entwickelt, die durch ihre physikalischen Eigenschaften das Anhaften von Organismen verhindern oder zumindest erschweren. Zudem gibt es praktikable Strategien, die helfen können, den Einsatz von biozidhaltigen Antifouling-Produkten auf das notwendige Maß zu reduzieren und Risiken für Mensch und Umwelt, die bei den verschiedenen Arbeitsschritten bestehen, zu vermindern.


Biozidfreie Antifoulingfolierung

Antifouling Folie
Freigelände West: bodensee-bootsfolierungen.de_Live-Folierung einer Trias.

Vorschriften für die Auswahl eines Antifouling-Produkts

Biozidhaltige Antifouling-Beschichtungen unterliegen einer Zulassungspflicht. Sie müssen registriert sein, wenn sie noch kein Zulassungsverfahren, also noch keine behördliche Prüfung, durchlaufen haben.

Biozidfreie Antifouling-Produkte werden nicht geprüft und besitzen weder Registriernummer noch Zulassungsnummer. Diese Produkte dürfen derzeit ohne spezifische Einschränkungen verkauft und verwendet werden.

§

Verbindlich:
Regionale Verbote oder Einschränkungen

Es gibt einige Gewässer, deren Nutzungsverordnungen die Verwendung biozidhaltiger Antifouling-Anstriche reglementieren oder ganz verbieten. Auf der Wakenitz und den Ratzeburger Seen sind seit dem Jahr 2000 alle Antifouling-Anstriche, die Biozide in das Wasser abgeben können, verboten. Dies gilt für alle Wasserfahrzeuge unabhängig von ihrer Länge.
Die Bodensee-Richtlinien 2005 (aktuelle Fassung von 2018) von der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee schreiben vor, biozide Zusätze in Antifouling-Anstrichen zu vermeiden.
Ähnliche Beschränkungen gibt es auch für Dümmer und Steinhuder Meer sowie für die Alster in Hamburg.

Empfehlungen für die Auswahl eines Antifouling-Produkts

Vorbildlich:
Prüfen Sie, ob ein Verzicht auf biozidhaltige Antifouling-Produkte möglich ist

Grundsätzlich empfiehlt das Umweltbundesamt, kritisch zu prüfen, ob ein biozidhaltiges Antifouling-Produkt notwendig ist oder ob nicht auch auf biozidfreie Alternativen ausgewichen werden kann. Im Binnengewässer kann in vielen Fällen wegen eines geringen Bewuchsdruckes auf ein biozidhaltiges Antifouling verzichtet werden. Aber auch im Brackwasser der Ostsee haben sich bereits biozidfreie Alternativen als wirksam erwiesen.
Als Faustregel gilt: Je kürzer ein Boot sich im Wasser befindet, je öfter es bewegt wird, je höher die Maximalgeschwindigkeit und je geringer der Bewuchsdruck im Revier ist, desto weniger wird ein biozidhaltiges Antifouling-Produkt benötigt.

Welche biozidfreien Alternativen gibt es?

Das Thema biozidfreie Alternativen beschäftigt die Gemeinschaft der Bootsbesitzerinnen und Bootsbesitzer seit Jahrzehnten. Es gibt zahlreiche Ansätze und Ideen, um den Bootsrumpf ohne den Einsatz von Bioziden bewuchsfrei zu halten. Diese Ideen reichen von Antihaftbeschichtungen auf Teflon-, PVC- oder Silikonbasis über elektrochemische oder physikalische Systeme bis hin zum Einsatz von manuellen oder automatischen Reinigungssystemen oder Folien, die den Bewuchs von vorn herein verhindern. Auch ist das Thema alternative Bewuchsschutzsysteme in For-schung und Industrie aktuell und es werden ständig neue Ideen und Ansätze in Presse und Fachliteratur publiziert.

Antihaftbeschichtung (Foul release coating)

Bei Antihaftbeschichtungen wird die Haftkraft des Bewuchses zum Beispiel durch die Herstellung einer geringen Oberflächenspannung am Unterwasserschiff minimiert. Dies kann beispielsweise durch hydrophobe Oberflächen erreicht werden. Der Bewuchs wird dann entweder durch die bei der Fahrt entstehenden Scherkräfte entfernt oder muss in regelmäßigen Abständen mechanisch an Land oder im Wasser beseitigt werden. Andere Beschichtungstypen basieren auf sogenannten Hydrogelen, die eine sehr weiche Oberfläche generieren. Auf der Oberfläche wird die Bewuchsbildung gehemmt und entsteht dennoch ein Bewuchs, lässt sich dieser sehr leicht wieder entfernen. Produkte auf Silikonbasis sollten jedoch keine Silikonöle freisetzen, da diese in der Umwelt nicht abgebaut werden und dort schädlich für Organismen sein können.

Einige Hersteller bieten Klebefolien an, die das Festsetzen von Organismen an der Oberfläche verhindern oder erschweren. Diese Folien werden anstelle eines Anstrichs auf den Schiffsrumpf geklebt.

Ausführliche Broschüre unter Kurzlink: bit.ly/2dowYYI

Quelle: Bild & Text Umweltbundesamt

Info’s zur biozidfreien Antifoulingfolie

Antifouling Folie
Biozidfreie Antifoulingfolie

Infos unter: Bodensee-bootsfolierungen.de
Fragen gerne per Mail: info@mendel-printdesign.de
oder per Telefon +49 7522 97 37 0

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